Samstag, 27. September 2014

Tag X - Der Tag, an dem der Diabetes kam Tag 6 Diabetes Blog Woche 2014

Hallo Ihr Lieben,

Silvia hat mich gebeten, einen Artikel zu Tag 6 der Diabetes Blog Woche 2014 beizusteuern, sie kann sich an diesen Tag X kaum noch erinnern, bei mir ist er noch ziemlich präsent, und es brachte mich auch zum Nachdenken. Ich habe gedanklich das verglichen, was ich damals zur Behandlung des Diabetes lernen musste, und wie Diabetesbehandlung heute aussieht. So ist dieses Layout entstanden:


Ich habe natürlich kaum noch Material aus dieser Zeit, aber einige Insulinspritzen, Nadeln und das Kochbuch sind mir geblieben, und ich habe alles für das Bild "Damals" abgelichtet, das Bild zum Thema "Heute" stammt von Silvia, Ihr kennt es bestimmt. Die Bilder kann man hochklappen, auf der Rückseite befindet sich das Journaling, in dem ich einige Unterschiede aufgeführt habe.





Nun aber das eigentliche Thema:


dbw


Es ist schon mehr als 25 Jahre her, ein Dienstag Mitte Februar, mein Geburtstag. Nach einer Woche Urlaub mit Freunden in der Eifel musste mein Mann natürlich wie üblich arbeiten, ich sollte mit meiner älteren Tochter Silvia (6 Jahre) zum Kinderarzt zum Blutabnehmen, denn irgendetwas stimmte nicht. Sie war erkältet, aber das sind Kinder oft, und sie war ungewöhnlich knatschig Außerdem trank sie furchtbar viel und stand nachts mehrfach auf, um zur Toilette zu gehen, während sie sonst vor dem Zubettgehen gezwungenermaßen  und danach irgendwann am nächsten Vormittag ging.
Der Kinderarzt hatte nach einem Gespräch, in dem auch das Thema Diabetes anklang, um ein „süßes Frühstück“ gebeten, es wurde Blut abgenommen und dann brachte ich beide Kinder in den Kindergarten. Der Vormittag verlief wie üblich: aufräumen, Wäsche waschen, Mittagessen vorbereiten. Dann kam ein Anruf aus der Arztpraxis. „Die Blutwerte sind nicht in Ordnung – ach nein, da habe ich mich geirrt“ sagte die Arzthelferin. Damit wurde das Gespräch beendet und ich fragte mich, ob sie mit jemand anderem sprechen wollte. Ich holte die Kinder aus dem Kindergarten ab. Beim Mittagessen ein erneuter Anruf, diesmal der Kinderarzt selbst: „Der Blutzucker ihrer Tochter ist erheblich zu hoch, packen Sie ein paar Sachen für sie zusammen, kommen Sie in die Praxis und holen Sie sich die Einweisung für die Uniklinik. Nein, das Krankenhaus vor Ort ist nicht geeignet.“ Was nun? Ich rief im Büro meines Mannes an, aber er war unterwegs. Handys und Autotelefon gab es damals noch nicht. Ich bat, ihm auszurichten, die Nachbarin oder den Kinderarzt anzurufen. Ich rief diese Nachbarin an, informierte sie kurz und bat sie, die jüngere Tochter zu hüten, bis mein Mann sich kümmern konnte. Ich warf Sachen für den Krankenhausaufenthalt in eine Tasche, brachte die Kleine zur Nachbarin und fuhr zum Arzt. Er hatte schon alles vorbereitet und erklärte, in welcher Ambulanz man uns erwartete. Ich versuchte erneut erfolglos meinen Mann zu erreichen. Ich bat darum ein Taxi zu rufen, weil ich mich nicht traute, so gestresst in die nahe gelegene Großstadt zu fahren.
Wir fuhren zur Uniklinik. Silvia wurde kurz untersucht, dann wurden wir zu einer Station geschickt. Dort wurde der Blutzucker mittels Teststreifen visuell bestimmt. Zwei Ärzte beratschlagten über die Insulinmenge – die erste Insulinspritze. Man informierte mich über erste Anzeichen einer Unterzuckerung und bat mich, die Silvia daraufhin zu beobachten.
Ich hatte keine Ahnung von Diabetes. Was kommt da auf mein Kind, auf mich und auf die Familie zu? Lebenslänglich Insulin spritzen, Blutzucker und Harnzucker kontrollieren, Ernährung ohne Zucker, eine Diät? Ein riesiger Berg lag vor uns allen, wie sollte die Familie ihn bewältigen? Damals wurde der Diabetes noch erheblich restriktiver behandelt, mit festen Ess- und Spritzzeiten und einem genauen Diätplan. Blutzucker- und Harnzuckerstreifen wurden mit Hilfe eines Farbschemas abgelesen, Blutzuckermessgeräte gab es zwar, mussten aber bei der Krankenkasse erkämpft werden.
Gegen Abend kam mein Mann kurz ins Krankenhaus, informierte sich und fuhr bald darauf wieder, um die Kleine für 14 Tage bei der Oma unterzubringen. Ich blieb die ganze Zeit im Krankenhaus und wurde umfassend geschult, bevor wir entlassen wurden.   

Ich wünsche Euch allen ein schönes Wochenende und vergesst nicht bei den anderen Teilnehmern vorbeizuschauen
Wilma

1 Kommentar:

Yvonne hat gesagt…

Ich finde die ganzen Berichte diese Woche ganz toll und wichtig. Das ist mir von meiner Familie auch sehr bekannt.
Das Layout ist super.
LG Yvonne